Erfahrungen von Kindern aus Regenbogenfamilien in der Schule

Erleben Kinder, die mit Eltern aufwachsen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell und trans identifizieren, Diskriminierungen in der Schule? Welche Strategien entwickeln sie im Umgang damit? Diese Fragen hat eine internationale Studie in Deutschland, Schweden und Slowenien untersucht. Auf der Basis der Studienergebnisse wurden im Rahmen des Forschungsprojekts außerdem Unterrichtsmaterialien zum Thema "Normalität befragen" entwickelt.

Von 2010 bis 2011 wurden für die Studie insgesamt 124 Interviews mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrkräften geführt: Davon wurden in Deutschland 22 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 8 und 20 Jahren aus einer Regenbogenfamilie interviewt. Befragt wurden außerdem 29 Eltern oder Bezugspersonen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer oder auch als homosexuell bezeichnen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Kinder aus deutschen Regenbogenfamilien in der Regel gut integriert sind und selten direkte Formen von Gewalt erleben. Allerdings erleben oder befürchten sie, dass ihre Familienform von Gleichaltrigen und Lehrkräften als Abweichung von einer Hetero-Normalität gesehen und tendenziell eher negativ bewertet wird. Um dies zu umgehen, wenden viele Kinder Normalisierungsstrategien oder die Strategie des Nicht-Veröffentlichens an, einige gehen auch ganz offensiv damit um.

Unterrichtsmaterialien zum Thema Regenbogenfamilien
Was-ist-eigentlich-normal_Unterrichtsmaterialien-Regenbogenfamilien_CoverIm Alltagsdiskurs in der Schule geht das Besondere und andere dieser Familienform jedoch kaum ein, so das Resümee der Studie: Stattdessen werden immer noch viele Vorurteile gegenüber Eltern aus Regenbogenfamilien reproduziert. Pädagoginnen und Pädagogen fehlt es häufig an Wissen und Offenheit für das Thema. Insgesamt wird die Vielfalt an Familienformen in der Schule kaum vermittelt, Regenbogenfamilien bleiben sowohl in Unterrichtsmaterialien als auch im Unterrichtsgespräch unerwähnt.

Um eine Bearbeitung des Themas im Unterricht in der Grundstufe zu unterstützen, wurden deshalb, basierend auf den Ergebnissen der internationalen Studie, pädagogische Materialien für alle drei Länder entwickelt. Die Materialien greifen die länderspezifischen Bedingungen und Diskussionen auf und sind mit bereits vorhandenen Unterrichtsmaterialien kombinierbar.

Initiiert wurde die Forschung vom Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) der Humboldt-Universität unter der Leitung von den Soziologinnen Uli Streib-Brzic und Christiane Quadflieg. Beteiligt waren als Partnerinstitutionen die Universität Ljubljana/Slowenien (Fakultät für Soziale Arbeit) und das Zentrum für Gender Studies der Universität Lund. Das Forschungsprojekt wurde mit der Förderung des EU Programms Daphne III realisiert.

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Weitere Informationen in der Pressemitteilung der Humboldt-Universität Berlin.

School-is-out_Studie-Regenbogenfamilien_CoverUli Streib-Brzic, Christiane Quadflieg (Hrsg.):
School is Out?! Vergleichende Studie 'Erfahrungen von Kindern aus Regenbogenfamilien in der Schule' durchgeführt in Deutschland, Schweden und Slowenien. Teilstudie Deutschland.
Humboldt-Universität zu Berlin, 2011

Die Studie und die pädagogischen Materialien stehen als Download auf der Website der Humboldt-Universität zur Verfügung. (Auf Anfrage sind auch Printversionen erhältlich).

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