Eingewöhnung in die Kindertagesbetreuung

Der Übergang in die Kindertagesbetreuung ist nicht nur für das Kind eine neue, aufregende Situation. Wie lange sollte die Eingewöhnungsphase sein, wie können Eltern die Eingewöhnung unterstützen? Besonders für Kinder bis drei Jahren ist der Übergang in die Tagespflege ein einschneidendes Erlebnis. Deshalb sollte die Mutter oder der Vater anwesend sein, damit es für das Kind leichter ist, eine vertrauensvolle Beziehung zu der Tagesmutter zu entwickeln.

Mutter und Vater sind eine "sichere Basis" für das Kind, hier kann es Trost und Zuflucht suchen, wenn es sich überfordert fühlt. Eltern sollten sich deshalb in der Eingewöhnungsphase viel Zeit nehmen. Eine sorgfältig gestaltete Eingewöhnung ist auch die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Tagespflegeperson. Lesen Sie hier an unserem Beispielkind Lena, wie die Eingewöhnung klappen kann:

Verlauf der Eingewöhnungsphase
Die Eingewöhnung dauert bei den meisten Kinder etwa 14 Tage, dies ist jedoch abhängig vom Charakter und Temperament des Kindes. Manchmal kann die Eingewöhnung bereits nach sechs Tagen abgeschlossen sein, sie kann aber auch drei Wochen erfordern.

Mann und Kinder im SandkastenIn den ersten drei Tagen der Eingewöhnung bleibt Julia Bergmann mit Lena für 1 bis 2 Stunden bei der Tagesmutter. Lenas Mutter hält sich möglichst im Hintergrund. Sie gibt als vertraute Person dem Kind bei seinen ersten Entdeckungstouren durch die neue Umgebung durch ihre Anwesenheit Sicherheit.

Eltern als Hauptbindungspersonen des Kindes sind für das Kind wie ein "mobiles Nest" oder eine "sichere Basis" in einer fremden Umgebung. Ist das Kind mit einer Situation überfordert oder hat es Angst, aktiviert es sein Bindungsverhalten und wird bei der Mutter oder dem Vater Schutz suchen und sich trösten lassen.

Es ist wichtig, dass die Eltern ihr Kind dann auch trösten und nicht versuchen, es zu der Tagespflegeperson zu schicken. Das Kind darf nicht gedrängt werden, sondern bestimmt das Tempo der Eingewöhnung. Es sollte von selbst auf die Tagespflegeperson zugehen.

Orientierung und Vertrauen

In der Eingewöhnungsphase geht es vor allem darum, dass das Kind sich in der neuen Umgebung orientieren kann und Vertrauen fasst zur Tagesmutter oder zum Tagesvater.

Am vierten Tag kann das Kind für eine kurze Zeit - ca. eine halbe Stunde - mit der Tagesmutter oder dem Tagesvater allein gelassen werden. Die Mutter oder der Vater sollte in ein anderes Zimmer gehen, aber verfügbar sein, falls das Kind von der Tagespflegeperson nicht getröstet werden kann. Die Trennungszeit sollte täglich schrittweise weiter ausgedehnt werden.

Die Eingewöhnungsphase ist beendet, wenn sich das Kind von der Tagespflegeperson trösten lässt, d.h. wenn es ihr gegenüber ein ausgeprägtes Bindungsverhalten zeigt. Bei Lena zeigt sich dies nach einer Woche, sie hat Vertrauen zu ihrer Tagesmutter gefasst und lässt sich jetzt auch schon von ihr füttern.

In den ersten sechs bis acht Wochen sollten Eltern ihr Kind nicht mehr als halbtags betreuen lassen. Ist die Trennungszeit schon zu Beginn sehr lang, reagiert das Kind unter Umständen mit Verlustängsten.

Abschied und Rituale

Die Eltern sollten sich immer von ihrem Kind verabschieden. Eine hektische "Zwischen-Tür-und-Angel-Übergabe" sollte nicht nur in der Eingewöhnungsphase, sondern grundsätzlich vermieden werden. Wenn das Tageskind morgens abgegeben wird, sollten die Eltern etwa 10 Minuten einplanen, um das Kind in die andere Umgebung zu begleiten.

Damit dem Kind die Eingewöhnung leichtfällt, kann beim Abschied der Mutter oder des Vaters ein immer gleiches Übergangsobjekt - eine Flasche, ein Lieblingskuscheltier o.ä. - dagelassen werden. Dieses Übergangsritual hilft dem Kind, die Trennung zu erleichtern.

Eine sorgfältig gestaltete Eingewöhnungsphase kommt den Bedürfnissen des Kindes entgegen und festigt die partnerschaftliche Beziehung zwischen Eltern und Tagespflegeperson.

(Text: Sylvia Wilke)

Buchtipp

Ohne Eltern geht es nicht
Ohne-Eltern-geht-es-nichtDer Übergang in die Kindertagesbetreuung ist nicht nur für das Kind eine neue, aufregende Situation. Wie lange sollte die Eingewöhnungsphase sein, wie können Eltern die Eingewöhnung unterstützen? Viele Tipps dazu gibt dieses Buch. Allerdings will das Buch ein "Optimum" an Verhaltensweisen darstellen. Die Ratschläge nicht in aller Konsequenz umzusetzen, bedeutet sicherlich keinen schädlichen Einfluss auf die Eingewöhnung des Kindes.

Hans-Joachim Laewen, Beate Andres, Éva Hédervári:
Ohne Eltern geht es nicht. Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen
Cornelsen Verlag
56 Seiten, 12,99 Euro
www.cornelsen.de

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