Waldorfpädagogik im Kindergarten

Ursprünglich entwickelte Rudolf Steiner (1861-1925) die Waldorfpädagogik als Schulkonzept. In den 20er Jahren wurde das Konzept auch auf Kindergärten übertragen. Der erste Waldorfkindergarten wurde 1926 in Stuttgart an die bestehende Waldorfschule angegliedert. Die Waldorfkindergärten sind überwiegend eigenständige Einrichtungen, können aber auch an Waldorfschulen angeschlossen sein.

Merkmale der Waldorfpädagogik
Der Waldorfpädagogik liegt eine ganzheitliche Sicht des Kindes zugrunde. Körper, Seele und Geist sollen durch die Erziehung in ihrem Zusammenwirken gestärkt und in Einklang gebracht werden. Der Maßstab dafür ist die Entwicklung des Kindes. Eine zentrale Bedeutung kommt dem freien Spiel zu, in dem sich das Kind die Welt aneignet und seine Persönlichkeit entfaltet. Ziel ist, dass die Kinder bis zur Schulreife frei und selbständig werden.

Eine wesentliche erzieherische Aufgabe sieht die Waldorfpädagogik darin, die notwendigen Bedingungen für das freie Spiel zu bieten: Die Erzieherinnen und Erzieher gestalten die (räumlich-materielle) Umgebung der Kinder, haben Vorbildfunktion und regen zur Nachahmung an.

Waldorfspielzeug
In einem Waldorfkindergarten besteht das Spielzeug größtenteils aus Naturmaterialien wie Wolle, Filz und Holz. Dies und natürliche Grundformen, wie zum Beispiel Kreis, Dreieck, Viereck, sollen die Kreativität der Kinder fördern. Andere Spielsachen, wie Lernspiele (z.B. Memory, Puzzle) oder Konstruktionsspielzeug (z.B. Legosteine) finden sich in den Waldorfkindergärten eher nicht. Es gibt viele künstlerische Angebote: Malen mit Aquarellfarben, Modellieren mit Knetbienenwachs und Ton, Musizieren auf der Leier (Kinderharfe) und die von Steiner entwickelte Bewegungskunst - Eurhythmie - finden regelmäßig statt.

Ordnungselemente
Weitere Elemente sind feste Rhythmen in der Zeitgestaltung, die den Kindern Sicherheit verleihen sollen. So gliedert sich ein Tag in verschiedene Phasen wie dem Freispiel, dem Vorlesen eines Märchens oder künstlerischen Arbeiten. Die Woche kann ebenfalls in solche Phasen eingeteilt werden. Bestimmte Wochentage können bestimmten Aktivitäten vorbehalten sein. Die verschiedenen Jahreszeiten und jahreszeitlich bedingte Feste werden als Anlass zur kreativen Umsetzung genutzt und unterteilen das Kindergartenjahr.

(Autorin: Sylvia Wilke)

Webtipp www.waldorfkindergarten.de
Die Website der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. bietet eine nach Ort und PLZ recherchierbare Liste von Waldorfkindergärten.

Buchtipp

Spielen und arbeiten im Waldorfkindergarten
Spielen-und-arbeiten-im-Waldorfkindergarten_CoverAnschaulich vermittelt Freya Jaffke einen Einblick in den Alltag eines Waldorfkindergartens. Im ersten Teil gibt die Autorin einen guten Überblick über die kindliche Entwicklung in den ersten fünf Lebensjahren und wie die Waldorfpädagogik darauf eingeht. Im zweiten Teil werden wesentliche Elemente der pädagogischen Arbeit - Spielen und Lernen - anschaulich dargestellt.

Freya Jaffke:
Spielen und arbeiten im Waldorfkindergarten
Stuttgart: Verlag Freies Geistesleben, 2012
94 Seiten, 11,00 Euro
www.geistesleben.de

zurück …

Mehr zum Thema

Waldorfschulen
Erziehung und FörderungWer sich mit Rudolf Steiners Anthroposophie anfreunden kann und für seine Kinder einen kreativen und die Persönlichkeit fördernden Unterricht wünscht, der ist in dieser Schule richtig. Bundesweit gibt es über 200 Waldorfschulen - 26 davon in Niedersachsen.

zurück …