Freinet-Pädagogik

Der Franzose Celestin Freinet (1896-1966) entwickelt mit seiner Frau Elise 1920 die Freinet-Pädagogik. Freinet war Dorfschullehrer in Südfrankreich und wollte weg vom Frontalunterricht -Schülerinnen und Schüler sollten sich selbständig beschäftigen. Seine Reformpädagogik wird seit über dreißig Jahren auch in Kindergärten praktiziert.

In den Freinet-Kindergärten entscheiden die Kinder weitgehend selbst, was sie spielen oder lernen möchten und was nicht. Sie sollen lernen ihren Alltag selbst zu gestalten, um ihre eigenen Stärken herauszufinden und um Selbstvertrauen zu gewinnen. Die Kinder lernen so ein demokratisches Miteinander und das Aufstellen und Einhalten von Regeln.

Freinet sah in den spielerischen Aktivitäten der Kinder "kindliche Arbeit" oder "funktionales Spiel" als eine Art Vorbereitung aufs Leben. Grundsätze seiner Pädagogik sind

  • die freie Entfaltung der Persönlichkeit,
  • die kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt,
  • die Selbstverantwortung des Kindes,
  • die gegenseitige Verantwortlichkeit.

Konferenz der Kinder: "Den Kindern das Wort geben"

In einem Morgenkreis malt oder schreibt jedes Kind auf eine Karte, worauf es Lust hat. Anschließend werden alle Vorschläge besprochen und ein Tagesplan erstellt. Auch die Absprachen über die Aktivitäten machen die Kinder selbst. Die Erzieherinnen und Erzieher beobachten das Geschehen der Kinder und unterstützen sie dabei, sich auszudrücken und ihre Bedürfnisse zu erkennen. Dabei gehen sie vor allem auf die individuellen Besonderheiten, Interessen und Merkmale der Kinder ein. Regulierendes Eingreifen oder Maßregelungen gibt es nicht.

Ateliers und Werkstätten

In den Freinet-Kindergärten sind Ateliers und Werkstätten eingerichtet. Auch Dreijährige können hier schon mit Holz schnitzen, mit Ton arbeiten oder anderes handwerklich ausprobieren. Es gibt Töpfereien, Holzwerkstätten, Handarbeitsräume, Technikateliers und Forschungsräume. Ebenso gehören Tanz und Theater zu den Methoden, die die freie Entfaltung der Kinder gewährleisten sollen.

Die Welt entdecken

In Ausflügen und mit Experimenten setzen sich die Kinder mit der Umwelt auseinander. Erst die Entdeckungsreise, dann die Erkenntnisse, ist die Reihenfolge in der Freinet-Pädagogik.

Die Freinet-Kitapädagogik hat viele Berührungspunkte zu anderen kindzentrierten pädagogischen Ansätzen, vor allem zur Offenen Arbeit und zur Reggio-Pädagogik.

Weiterführende Links

www.freinet-kooperative.de | Grundlagen, Material, Kontaktadressen und vieles mehr zum Thema Freinet-Pädagogik finden sich auf der Website des Bundesverbandes der Freinet Pädagoginnen und Pädagogen.

www.zentrum-prinzhoefte.de | Informationen zum Tagesablauf und pädagogischen Konzept eines Freinet-Kindergartens bietet die Website der Kindertagesstätte PrinzHöfte im Landkreis Oldenburg. Übrigens wurde dieser Freinet-Kindergarten wegen seines besonderen Konzepts für das Kitajahr 2011/12 zu einer von acht so genannten Konsultationskitas in Niedersachsen ernannt. Das heißt, er fungiert als Ideengeber für andere Kindertagesstätten, berät und unterstützt deren Erzieherinnen und Erzieher bei Hospitationen, Beratungsgesprächen und Workshops.

zurück …

(Autorin: Sylvia Wilke)

zurück …