Hochbegabung im Vorschulalter

Wer einen Intelligenzquotienten von wenigstens 130 hat, gilt als hochbegabt. Etwa zwei Prozent aller Kinder eines Jahrgangs sind dies, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle. Allerdings lässt sich Hochbegabung erst im Alter von etwa zehn Jahren an verlässlich feststellen. Früher gestellte Prognosen zeigen bestenfalls einen recht unsicheren Trend an.

Äußerst aktive Kinder
Anzeichen für eine mögliche Hochbegabung im Vorschulalter sind beispielsweise ein auffällig gutes Gedächtnis, eine erhöhte Aufmerksamkeit und eine effiziente Informationsverarbeitung. Außerdem berichten Eltern von Hochbegabten, dass ihre Kinder im Vorschulalter stets äußerst aktiv gewesen sind und einen starken Erkundungsdrang besessen haben.

Prognose: hochbegabt
Mehr Sicherheit kann beim Vorliegen solcher Merkmale ein bildbasierter Intelligenztest für das Vorschulalter liefern. Der Intelligenztest BIVA ist ein Verfahren für dreieinhalb- bis siebeneinhalbjährige Kinder, der grundsätzlich im Einzeltest durchgeführt wird. Dem Kind werden Aufgaben (bildliches Material) gestellt, die aufgrund des vorliegenden Alltagswissens zu lösen sind. Aber es werden auch Aufgaben vorgelegt, deren Lösungen alleine aus dem Material heraus erfolgen müssen. Ob ein Kind hochbegabt ist, kann allerdings erst ab etwa zehn Jahren verlässlich festgestellt werden.

Bestimmte Merkmale und Fähigkeiten können als Hinweis auf eine mögliche Hochbegabung gesehen werden, beispielsweise eine ausgeprägte Merkfähigkeit, ein herausragendes Gedächtnis, ein besonders gutes sprachliches Ausdrucksvermögen oder ein sehr frühes Interesse an Zahlen und Buchstaben sowie die frühe Beherrschung von Lesen, Schreiben und Rechnen.

Karg-Stiftung fördert Hochbegabte
In einigen Städten gibt es spezielle Kindergärten mit sogenannter Hochbegabtenförderung. In Niedersachsen ist dies die Kita des Christlichen Jugenddorfwerk (CJD). Sie wird von der Karg-Stiftung gefördert und war die erste sozial-integrative Kindertagesstätte in Deutschland mit begabungsförderndem Profil. Im Vordergrund steht die Befriedigung der Neugier der Kinder, es gibt kein vorgefertigtes, funktionsgebundenes Spielzeug. Bei den Aufgaben helfen sich die Kinder gegenseitig, beraten, wie und was sie konstruieren wollen. Der Kindergarten vertritt einen integrativen Ansatz, d.h. die Hälfte der Kinder ist hochbegabt, die andere Hälfte sind Kinder aus dem Einzugsbereich.

Vorzeitige Einschulung
Außerdem stellt sich natürlich auch die Frage einer vorzeitigen Einschulung. In vielen Fällen sind es die Kinder selbst, die darauf drängen, bald in die Schule zu kommen. Doch bei einer vorzeitigen Einschulung sollte nicht nur der intellektuelle Entwicklungsstand ausschlaggebend sein, sondern die gesamte Persönlichkeit des Kindes sowie seine eventuelle Schulfähigkeit. Ansprechpersonen in diesen Fragen sind die Erzieherinnen und Erzieher im Kindergarten, die Lehrkräfte der Grundschule und der schulische Beratungsdienst.

(Autorin: Sylvia Wilke)

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Mehr zum Thema

Fragen und Antworten zum Thema Hochbegabung
Buchtipp Antworten auf Fragen zum Thema Hochbegabung finden Eltern, Lehr- und pädagogische Fachkräfte in einer Broschüre der Karg-Stiftung. Abgerundet werden die Informationen mit Hinweisen auf weiterführende Literatur. Die Broschüre steht zum Download bereit unter www.karg-stiftung.de oder kann als Druckversion bestellt werden. Auf der Website findet sich auch eine bundesweite Datenbank mit Beratungsstellen, die sich auf das Thema Hochbegabung spezialisiert haben.

www.dghk.de
Webtipp Die Website der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind bietet ebenfalls Hintergrundinformationen und ausführlichen Literaturtipps zum Thema.

www.cjd-hannover.de
Webtipp Informationen zum Angebot des CJD Hannover als Zentrum für frühe Begabung und Förderung sowie zum pädagogischen Konzept der Kita. Die Kinderakademie Fantasticus bietet Kindern zwischen 3 und 12 Jahren nachmittags und an Wochenenden Kurse zu verschiedenen Themen.

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