Zusammenarbeit von Gleichstellungsbeauftragten und Familienbüros

Gleichstellungsbeauftragte beraten und informieren, konzipieren und initiieren Projekte u.a. zu Themen wie "Wiedereinstieg in den Beruf" und "Beruf und Familie". Aber auch die Entwicklung von Bildungs- und Präventionsprogrammen, abgestimmt auf die Bedarfe vor Ort, gehört zu ihren Aufgaben. Durch ihre aktive Mitarbeit in Bündnissen, Initiativen, Gremien und Institutionen können sie auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Sie sind wichtige Multiplikatorinnen für Bürgerinnen und Bürger, Familien und Kommunen. Die Zusammenarbeit mit kommunalen Stellen wie den Familienbüros gehört oftmals zu ihrem Arbeitsfeld. Karin Helm, ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Bohmte (Landkreis Osnabrück) ist auch in das Familienbüro Bohmte integriert. Wir haben sie zu ihren Projekten für Familien befragt.

Frau Helm, wie genau sieht die Verknüpfung der Gleichstellungsarbeit mit der Arbeit des Familienbüros in Bohmte aus?
Das Familienbüro Bohmte informiert Eltern über soziale Dienstleistungen und Hilfsmöglichkeiten und initiiert Angebote für Familien. Dabei stehen die Unterstützung der Bildungskompetenz und der Erziehungsfähigkeit von Familien und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Vordergrund. Neben den Beratungsangeboten zur Kinderbetreuung für Eltern, aber auch für Unternehmen, sind auch Trennung und Scheidung, Gesundheit oder Angebote für Frauen, Familien und Senioren Themen der Beratung.

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Im September 2010 haben Sie sich mit einer Aktion an den Niedersächsischen Aktionswochen gegen Kinderarmut beteiligt. "Bildung & Integration über das Buch" ist nicht das einzige Bildungs- und Präventionsprogramm, das sie initiiert haben. Weitere Projekte sind "Das erste Buch" und "Kinder fit - alle machen mit". Was hat Sie zu diesen Projekten veranlasst?
Im Rahmen der Niedersächsischen Aktionswoche gegen Kinderarmut habe ich Vorlesetage für die Vorschulkinder in Kindergärten organisiert. Die Aktion "Bildung & Integration über das Buch" fand in Kooperation mit den Kindergärten und Grundschulen Herringhausen und Bohmte statt. Es haben viele Personen aus dem öffentlichen Leben, aber auch Bürgerinnen und Bürger aus der Gemeinde mitgemacht und vorgelesen - als Vorbild Männer für Jungen und Frauen für Mädchen. Darüber hinaus gab es nach dieser Vorlesewoche interkulturelle Autorenlesungen und Mitmachaktionen: Das Bremer Autorenpaar Lilo Almstadt und Heinz Meyer stellten ihre Kinderbücher "So leben und glauben wir in Deutschland" und "Ich bin Fredo, wer bist du?" vor. Dabei ging es einerseits darum, Kindern früh das Verständnis für andere Religionen und Lebensweisen zu vermitteln. Bei dieser Aktion wurde nicht nur vorgelesen: Es gab eine Multi-Media-Show mit Musik, (Familien-)Fotos oder Illustrationen zur jeweiligen Geschichte und einem Quiz. Und das interkulturelle Fredo-Buch ist ein richtiges Mitmachbuch für Vorschulkinder - Spielen, Singen oder Malen sind Bestandteil einer Lesung zu diesem Buch. Außerdem sind Fragen in das Buch mit eingearbeitet. So kann man beim Lesen und Betrachten direkt mit den Kindern ins Gespräch kommen.

Andererseits wissen wir alle, dass Lesen eine Grundvoraussetzung für Bildung ist. Das Lesen muss deshalb schon früh gefördert werden, um den Spaß am Buch zu vermitteln - sei es in Kindergärten, Schulen, durch Lesepatinnen und -paten oder Tagesmütter.

Auch "Das erste Buch" ist so ein Projekt, das Lust auf Bücher und das Lesen macht und so Bildungs-/Kinderarmut vorbeugen und die Entwicklungschancen aller verbessern kann. Es geht auf eine Bremer Initiative zurück: Alle frisch eingeschulten Kinder erhalten ein Buch geschenkt - für viele ist es tatsächlich das erste eigene Buch. Die Geschichten und Bilder aus dem Buch zu jedem Buchstaben des Alphabets stammen wiederum von Kindern der dritten Klasse aus der Stadt oder dem Landkreis. Alle Kinder, die etwas gemalt oder geschrieben haben, werden namentlich erwähnt, auch die, deren Beiträge im Buch nicht erscheinen. Das ist für die Kinder eine tolle Motivation, fördert ihre Kreativität und ihr Selbstbewusstsein. In Niedersachsen beteiligen sich schon der Landkreis Leer, Bremerhaven und Oldenburg. Bei der Aktion "Bildung & Integration über das Buch" haben wir "Das erste Buch" im Bohmter Rathaus und bei der Landkreisspitze vorgestellt und außerdem an die Vorschulkinder verschenkt. Jetzt soll für Bohmte bzw. den Landkreis Osnabrück ein eigenes Buch im Herbst 2011 erscheinen!

Ein weiteres Projekt, das präventiv den Lebensalltag von Familien unterstützt ist "Kinder fit - alle machen mit". Es wird in allen Kitas, Grundschulen und in der Hauptschule in Hunteburg durchgeführt. Ich habe die Organisation und Abstimmung in Zusammenarbeit mit dem Familienbüro, den Einrichtungen und Bildungsträgern übernommen. Bei diesem Projekt geht es um soziales Lernen, die Schwerpunkte liegen z.B. auf der Vermittlung von Alltags- und Sozialkompetenzen, Gesundheitsförderung (Ernährung & Bewegung) und Leseförderung. Wichtig ist, dass hier auch die Eltern durch Elternkurse begleitet werden, so dass sie mehr Sicherheit im eigenen Erziehungsverhalten und im Umgang mit ihren Kindern erhalten. Dadurch werden die Angebote auch nachhaltiger. Die Elternangebote sind ein Erfolg, es gibt sogar Wartelisten.

Diese Projekte zielen ja vor allem auf junge Familien mit kleinen Kindern ab. Welche Angebote haben Sie denn für Jugendliche oder für Seniorinnen und Senioren entwickelt?
Einige Projekte zeigen jugendlichen Schülerinnen und Schülern verschiedener Nationalitäten sowohl theoretisch wie auch praxisorientiert neue Wege in der Berufsplanung auf, z.B. "Engagiert und Mitverantwortlich": Hier absolvieren Schülerinnen und Schüler einen Grundkurs in Häuslicher Pflege, arbeiten im Seniorenzentrum mit und erhalten durch den Besuch eines Hospizes Eindrücke von der Hospizarbeit.

Um die Vermittlung von Alltags- und Sozialkompetenz für Jung und Alt geht es in dem Projekt "Wir sitzen alle in einem Zug": Dabei vermitteln Schülerinnen und Schüler älteren Mitbürgerinnen und -bürgern Kenntnisse mit der Handhabung eines DB-Fahrkartenautomaten und begleiten sie als Gästeführer während eines gemeinsamen Ausfluges durch das Deutsche Auswanderhaus in Bremerhaven. So bleiben die Älteren mobil und bei den Jugendlichen wird das Verständnis gegenüber den Älteren und deren Lebensumfeld gefördert.

Und wie sieht es mit dem Thema Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung aus? Oder mit Angeboten für Mädchen und Frauen?
Das Familienbüro informiert z.B. über das Förderprogramm der Bundesregierung "Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung". Zusammen mit dem Landkreis Osnabrück, dem Netzwerkbüro "Erfolgsfaktor Familie" und der Servicestelle "Betriebliche Kinderbetreuung" haben wir zu einer Informations- und Fachveranstaltung zum Thema nach Bohmte eingeladen. Dabei wurden auch verschiedene Ideen und Modelle der betrieblichen Kinderbetreuung vorgestellt.

In 2008 haben wir im Rahmen einer Bundesinitiative eine erste Infobörse für Frauen durchgeführt. 150 Besucherinnen und Besucher kamen und ließen sich von ortsansässigen und überregionalen Institutionen und Verbänden an 13 Infoständen beraten. Das war so erfolgreich, dass wir als eine von 18 Kommunen als Best Practice Beispiel für die Bundesdokumentation ausgewählt wurden. Eine weitere Politikmesse für Mädchen und Frauen ist schon in Vorbereitung.

Übrigens haben viele dieser Angebote, die ich hier beschrieben habe, eine so große Außenwirkung und positive Resonanz in der Öffentlichkeit hervorgerufen, dass sie im Rahmen des Projektes "Lernen vor Ort" des Landkreises Osnabrück eingebunden wurden. Dadurch ist auch die Nachhaltigkeit in der weiteren Entwicklung und Umsetzung der Angebote gegeben, denn in diesem Rahmen soll ein Netzwerk und ein Konzept zur Familienbildung in Bohmte entwickelt werden. Die Angebote sollen sortiert und ergänzt werden, damit in allen Familienphasen die passende Unterstützung vorhanden ist.

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Übrigens! In unserer Aktionslandkarte finden Sie einen Überblick über die Niedersächsischen Familienbüros und ihre Angebote.

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Themenschwerpunkt Familienpolitik geschlechtergerecht gestalten
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