Einsatz von Fachkräften Frühe Hilfen beugt Kindesvernachlässigung vor

Eine-Chance-fuer-Kinder_LogoZahlreiche Kommunen setzen Fachkräfte Frühe Hilfen (mit staatlich anerkannter Weiterbildung qualifizierte Familienhebammen und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen) ein, um Eltern in schwierigen Lebenslagen darin zu unterstützen, dass ihre Kinder physisch und psychisch gesund aufwachsen können. Maßgeblichen Anteil an der mittlerweile bundesweit erfolgreichen Etablierung dieser aufsuchenden interdisziplinären Frühen Hilfen zur Vorbeugung von Kindesvernachlässigung hat die in Hannover ansässige Stiftung Eine Chance für Kinder. Die Krankenschwester Celia Windorfer und der Kinderarzt Prof. Dr. Adolf Windorfer haben seit Gründung ihrer Stiftung im Jahr 2000 die Grundlagen für die staatlich anerkannte Weiterbildung von Hebammen sowie Gesundheits- und Kinderpflegerinnen zu Fachkräften Frühe Hilfen gelegt und dieses Modell zur Vermeidung von Kindesvernachlässigung zunächst in Niedersachsen erprobt.

Am 30. März 2020 hat der Stiftungsratsvorsitzende Adolf Windorfer eine Erfolgsbilanz der vergangenen sechs Jahre für die Kommunen in Niedersachsen veröffentlicht, in denen die Stiftung seit Einsatzbeginn die Wirksamkeit von Fachkräften Frühe Hilfen detailliert dokumentiert. "Die Daten aus dem Jahr 2019 und den fünf Jahren zuvor geben Anlass zu großer Hoffnung: Durch den konsequenten Einsatz von Familienhebammen sowie Gesundheits- und Kinderpflegerinnen wird in niedersächsischen Kommunen eine deutliche Verminderung von Kindesvernachlässigung erreicht", berichtet Windorfer. Die Fachkräfte Frühe Hilfen träfen auf viele Problemlagen, die Gefahren für Vernachlässigung und damit von Entwicklungsverzögerungen bergen. Neben schwerwiegenden gesundheitlichen und psychischen Problemen oder Drogenabhängigkeit spielten schwierige ökonomische Verhältnisse, Arbeitslosigkeit, Probleme mit Ämtern, schlechte Wohnverhältnisse und Partnerschaftskonflikte eine wesentliche Rolle in den Familien, die betreut werden, betont Windorfer.

Jährliche Auswertung ist Gradmesser des Erfolges
In den jetzt 22 niedersächsischen Kommunen, die die standardisierte Dokumentation der Stiftung einsetzen, wurden seit 2014 tausende Mütter jeweils über einen Zeitraum von bis zu 16 Monaten betreut. Bei 5.242 Müttern konnte in diesen Jahren die Betreuung beendet werden. Diese Zahlen bilden damit eine gute Datengrundlage:

  • Bei insgesamt 77,7 Prozent der betreuten Mütter/Eltern wurde eine Verbesserung der vorgefundenen Probleme oder sogar deren Lösung erzielt. 2019 lag dieser Wert sogar bei 82,2 Prozent (927 abgeschlossene Betreuungen in 22 Kommunen durch 149 Fachkräfte Frühe Hilfen).
  • 9,6 Prozent der Frauen waren jünger als 18 Jahre. "Dieser Altersgruppe wurde besonderes Augenmerk geschenkt, denn Teenie-Mütter benötigen besondere Zuwendung, da in dieser Altersgruppe die Häufigkeit von Kindesvernachlässigung vier bis fünf Mal höher als bei etwas älteren Müttern", sagt Windorfer.
  • Bei 50,4 Prozent der Mütter konnte die Betreuung bereits in der Schwangerschaft beginnen.

28 Prozent der Mütter/Eltern litten an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Davon konnten 39,3 Prozent wirksam geholfen werden; auch bei Suchtkrankheit (17,7 Prozent) waren die Hilfen zu 35,5 Prozent erfolgreich.

Appel an die Landesregierung
In einem Appel vom 22. April 2020 bittet Windorfer außerdem die niedersächsische Landesregierung und die Kommunen des Landes dringend, ab sofort die aufsuchende Betreuung von sozial benachteiligten Familien zu intensiveren und für deren Kinder die Betreuungseinrichtungen, d.h. die Krippen und Kitas, vor Ort zu öffnen. Die von der Stiftung eingesetzten Fachkräfte Frühe Hilfen finden nach Windorfers Angaben in vielen der betreuten Familien beunruhigende Situationen vor. Die psychische und emotionale Gesundheit von Kindern und Müttern müsse in Corona-Zeiten im Sinne des Kindesschutzes mehr denn je stärker in den Fokus genommen werden. Sowohl in deutschen als auch in geflüchteten Familien gebe es vergleichbare Problemlagen, die zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führten. Dazu zählten extreme Vereinsamung von Müttern und Kindern, stundenlanger Fernsehkonsum, Gewalt in der Familie und starke Kindeswohlgefährdung, fehlende Tagesstrukturen, Suche nach Lebensinhalt, Alkohol und Drogen. Windorfer verweist dabei auf die großen Erfolge, die auch die Stiftung in den vergangenen Jahren mit Projekten der aufsuchenden und gesundheitlichen Hilfe für Kinder und Frauen erzielt hat.

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Quelle und vollständige Pressemitteilungen: Stiftung Eine Chance für Kinder, 30.03.2020 und 22.04.2020, www.eine-chance-fuer-kinder.de

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