Arbeit 4.0 - Bleibt noch Zeit für Familie und Ehrenamt?

Unter der Fragestellung "Arbeit 4.0 - Bleibt noch Zeit für Familie und Ehrenamt?" nahm die Frühjahrstagung im Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) in diesem Jahr Datenlage und Datenbedarf zur Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit, Familienaufgaben und ehrenamtlichem Engagement in den Blick. Simone Lehmann, Präsidentin des LSN, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Kommunen, Verwaltung Politik und Wirtschaft in Niedersachsen am 1. Juni 2017 in Hannover.

Der Begriff Arbeit 4.0 steht für Veränderungen in der gesamten Arbeitswelt. Die zunehmende Digitalisierung von Arbeitsprozessen eröffnet neue Möglichkeiten der Flexibilisierung. In einigen Arbeitsbereichen verschwimmen die zeitlichen und örtlichen Grenzen zwischen beruflichen Anforderungen und privater Lebenswelt. Welche Auswirkungen hat die zunehmende Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -orten auf die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Berufsleben? Wie wirkt sie sich auf die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement aus? Fachreferate und die abschließende Podiumsdiskussion gaben Einblick in die sich abzeichnenden Entwicklungen und mögliche Reaktionen darauf.

Roland Wolf, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), gab in seinem Referat einen Ausblick zu den Potentialen neuer Arbeitszeitmodelle. Er betonte vor allem die Chancen, die eine flexible Arbeitsgestaltung für eine wachsende Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Hinblick auf Vereinbarkeit mit Familienverantwortung und Ehrenamt bietet.

Statistische Daten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Niedersachsen und auf Bundesebene stellte LSN-Dezernatsleiterin Hanna Köhler vor. Zwei Entwicklungen stellte sie dabei besonders heraus: Die Väterbeteiligung ist seit Einführung des Elterngeldes kontinuierlich gestiegen, wobei Väter meist die Elternzeit-Variante einer kurzen beruflichen Auszeit von zwei Monaten wählen. Außerdem verzeichnet Niedersachsen beim Ausbau der Krippenbetreuung deutlichen Zuwachs. Die erreichten Quoten der betreuten Kinder in Kindertagespflege, Krippe, Kita und Hort unterscheiden sich regional zum Teil deutlich.

Die Flexibilisierungsanforderungen in vielen Lebensbereichen wirken sich auch auf die Formen des gesellschaftlichen Engagements aus, wie Adalbert Mauerhof, Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen Niedersachsen e.V. (LAGFA), darstellte. Die Entwicklung gehe weg von traditionellen Verbandsstrukturen hin zu kurzfristigen, eher spontan und aus persönlichen Anliegen motivierten Aktivitäten im bürgerschaftlichen Bereich. Vereine und Verbände sollten neue Wege der Kommunikation suchen und berufliche und persönliche Fähigkeiten ihrer Mitglieder möglichst gut einbinden. Unternehmen sollten freiwilliges Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur unterstützen, sondern als Standortvorteil im Sinne der Personalgewinnung und -bindung für sich nutzen.

Bei allen Vorteilen, die sich aus den neuen Modellen und Möglichkeiten der Vereinbarkeit ergeben, sind verlässliche Strukturen nach wie vor entscheidend für den familiären Zusammenhalt. Darauf machte Christine Volland, Arbeitsgemeinschaft der Familienverbände in Niedersachsen (AGF), in der abschließenden Podiumsdiskussion aufmerksam. Soziale Kontakte brauchen persönliche Präsenz und gemeinsame Ankerzeiten für Aktivitäten und Austausch, für Familien etwa am arbeitsfreien Sonntag oder bei gemeinsamen Mahlzeiten.


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