Früherkennungsuntersuchungen für Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche

Elterliche Zuwendung und Aufmerksamkeit sind die Basis für eine gesunde und altersgemäße Entwicklung von Kindern. Die Entwicklungsschritte in den ersten Lebensjahren sind enorm, aber auch sehr individuell. Ob die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes normal verläuft, können da am besten erfahrene Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte beurteilen.

RechtlichesIn Deutschland haben deshalb Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres und noch einmal nach dem zehnten Lebensjahr einen rechtlichen Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten und Entwicklungsstörungen. Die Kosten der Früherkennungsuntersuchungen für Kinder- und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr werden von den Krankenkassen oder dem Sozialamt getragen. Praxisgebühren fallen dafür nicht an. Der entsprechende Gesetzestext SGB V, § 26 Kinderuntersuchung ist im Wortlaut nachzulesen auf der Website des Bundesjustizministeriums.

Früherkennungsuntersuchungen für Babys und Kleinkinder U1 bis U9

GesundheitIn den Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 wird regelmäßig der allgemeine Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung des Kindes überprüft. Die Zeitabschnitte zwischen den Untersuchungen sind so vorgesehen, dass Verzögerungen in der Entwicklung, Auffälligkeiten und mögliche Probleme rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Deshalb ist es wichtig, die vorgesehenen Untersuchungstermine einzuhalten.

Seit Juli 2008 schließt eine weitere Untersuchung (U7a) zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr die Lücke im Programm. Mit der neuen Kinderuntersuchung besteht das Früherkennungsprogramm aus insgesamt 10 Untersuchungen für Kinder bis 6 Jahren. Darüber hinaus empfiehlt der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte zwei weitere Untersuchungen (U10, U11) als individuelle Gesundheitsleistungen, die die große Lücke zwischen dem 5. und 12. Lebensjahr schließen sollen. Die privaten Kassen übernehmen in der Regel die Kosten der zusätzlichen Untersuchungen. Bereits seit Januar 2008 bieten aber auch die Deutsche BKK und die KKH ihren Mitgliedern die Kostenübernahme für diese Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen (U10, U11).

Hörtest für Neugeborene
Seit Januar 2009 gehört die Früherkennungsuntersuchung auf Hörstörungen bei Neugeborenen zu den Leistungen der Gesetzlichen Krankenkasse. Damit sollen künftig Hörschäden frühzeitiger erkannt und Entwicklungsstörungen in unterschiedlichen Bereichen, wie etwa Störungen der Sprachentwicklung, verhindert werden. Mit einem zwei Minuten langen, schmerzlosen Test können angeborene Schäden bereits nach ein paar Tagen entdeckt werden.

Übrigens!
Niedersachsen Seit April 2010 sind die Früherkennungsuntersuchungen U5 bis U8 in Niedersachsen verbindlich. Dazu werden die Eltern mit dem Kind schriftlich eingeladen. Neben dem Einladungsschreiben erhalten die Eltern eine Rückmeldekarte, auf der die Untersuchung durch den Arzt oder die Ärztin bestätigt werden muss. Mit der Rückmeldung werden keine medizinischen Daten übermittelt. Bei einem verpassten Termin werden die Eltern daran erinnert, die Untersuchung nachzuholen. Wenn trotz Einladung und Erinnerung keine ärztliche Bestätigung über eine durchgeführte Untersuchung vorliegt, wird das zuständige Jugendamt informiert.

BeratungUnter www.u-untersuchungen.niedersachsen.de stehen weitere Informationen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Russisch und Arabisch bereit. Außerdem gibt es eine Telefon-Hotline, bei der Fragen rund um das Thema beantwortet werden: 0180 - 200 15 60 (0,06 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz. Für Anrufe aus den Mobilfunknetzen können abweichende Preise gelten).

Zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen

Ergänzend zu den allgemeinmedizinischen Früherkennungsuntersuchungen haben Kinder Anspruch auf drei zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen. Ab etwa drei Jahren sollten diese im Abstand von mindestens zwölf Monaten durchgeführt werden. Darüber hinaus werden zusätzliche, halbjährliche Kontrollen empfohlen.

Schuleingangsuntersuchung

Die Einschulung stellt einen wichtigen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt dar. Ob ein Kind die altersgerechten körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Entwicklungsvoraussetzungen für einen gelungenen Start in den Schulalltag mitbringt, wird vorab - meist schulärztlich - untersucht. Sollten Defizite erkannt werden, können so gezielt Fördermaßnahmen eingeleitet werden. Geprüft wird neben dem körperlichen Entwicklungsstand zum Beispiel Geschicklichkeit, Gleichgewichtssinn, Aussprache, Sprachverständnis, Merk- und Konzentrationsfähigkeit und das Erkennen von Zusammenhängen. Auch Kontaktfreudigkeit, Selbstvertrauen und emotionale Stabilität werden getestet. Die Untersuchungen finden in den kommunalen Gesundheitsämtern oder Grundschulen statt. Die Schuleingangsuntersuchung ersetzt nicht die letzte Früherkennungsuntersuchung U9!

Jugendgesundheitsuntersuchung J1

Für 12 bis 14-jährige Jugendliche ist die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 gedacht. Sie können in Praxen für Kinder-, Jugend- und Allgemeinmedizin oder für innere Medizin durchgeführt werden. Neben einer eingehenden körperlichen Untersuchung haben die Jugendlichen auch die Möglichkeit zu einem vertraulichen Gespräch über Themen der Pubertät, die sie vielleicht nicht mit ihren Eltern besprechen möchten. Arzt oder Ärztin können Fragen über Sexualität und Verhütung, Haut- und Gewichtsprobleme, Essstörungen, Drogen oder auch zu schwierigen familiären Situationen und Problemen im Freundeskreis kompetent beantworten. Deshalb wird empfohlen, die Jugendlichen diesen Termin alleine wahrnehmen zu lassen oder in Begleitung einer Freundin oder Freundes.

Webtipps und Infobroschüren

Elternbroschüre zu Früherkennung und Vorsorge
BuchtippDie Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat eine Eltern-Broschüre zu den Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen herausgegeben. Die Broschüre richtet sich an (werdende) Eltern kurz vor oder nach Geburt ihres ersten Kindes. Sie vermittelt einen Überblick über die Bedeutung und die Inhalte sowie den generellen Ablauf der U-Untersuchungen (U1 - U9). Auch praktische Fragen von Eltern rund um die Früherkennungsuntersuchungen werden aufgegriffen.

Zusätzlich bietet die Broschüre wichtige Tipps für die erste Zeit mit dem Kind. Es werden bildliche Informationen beispielsweise zum Stillen, zur sicheren Schlafumgebung und zum Umgang mit dem Säugling gegeben. Außerdem werden weiterführende Informationsangebote für Eltern vorgestellt und erste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei Problemen aufgezeigt.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Früherkennung und Vorsorge für Ihr Kind, Köln 2018. Download und Bestellung über die Website der BZgA

BuchtippDie BZgA bietet außerdem als kostenlose Faltblatt 10 Chancen für Ihr Kind - es ist in Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch und Arabisch erhältlich. Direkt an Jugendliche richtet sich die Broschüre Jugendgesundheitsuntersuchung J1

www.kindergesundheit-info.de | Kostenlose Elternbriefe im E-Mail-Abo
WebtippDie Elternbriefe der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informieren und begleiten Eltern in den ersten Lebensjahren ihres Kindes. Rechtzeitig vor den jeweils anstehenden Früherkennungsuntersuchungen U1-U9 wird per E-Mail über die einzelnen Untersuchungen und anstehenden Impfungen informiert. Zu jeder Früherkennungsuntersuchung gibt es einen Merkzettel zum Herunterladen für persönliche Fragen, Notizen und Beobachtungen und zur gezielten Vorbereitung auf das anstehende Arztgespräch. Die Elternbriefe geben darüber hinaus Tipps und Hinweise, wie Sie die Entwicklung und Gesundheit Ihres Kindes unterstützen können. In einigen Extra-Briefen werden besondere Themen und Fragen aus dem Familienalltag mit Kindern aufgegriffen.

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