Kita-Ausbau: Kluft zwischen Ländern bleibt - Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2018

Deutschlands Kitas werden besser, aber die Unterschiede zwischen den Ländern bleiben enorm. Wie groß das Gefälle zwischen und innerhalb der Bundesländer ist, zeigt der aktuelle Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung.

Die Qualität von Kitas hat sich in den vergangenen Jahren verbessert - das lässt sich an den Personalschlüsseln und der Zeit, die Kita-Leitungen für Führungsaufgaben haben, messen. 2012 war eine Fachkraft in Krippen rein rechnerisch für 4,8 ganztagsbetreute Kinder zuständig, 2017 waren es 4,3 Kinder. Gleichzeitig stieg die Zahl der betreuten unter Dreijährigen zwischen 2012 und 2017 um 36 Prozent. In Kindergartengruppen kümmerte sich 2012 eine Fachkraft um 9,8 Kinder, im Jahr 2017 waren es nur noch 9,1 Kinder.

Kita-Leitungen haben auch mehr Zeit für Führungsaufgaben, wie zum Beispiel pädagogische Konzepte entwickeln oder neue Fachkräfte einstellen. Demnach gaben 2014 noch 17 Prozent der Kitas an, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben, 2017 waren es nur rund 11 Prozent.

Trotz Qualitätsausbau: Große Unterschiede zwischen den Ländern bleiben bestehen
Obwohl in den letzten Jahren Kita-Plätze massiv ausgebaut wurden und mehr Fachkräfte weniger Kinder betreuen, bleiben die immensen Qualitätsunterschiede zwischen den Bundesländern bestehen - besonders im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland. So kamen im Osten 2012 6,4 Kinder auf eine Krippenfachkraft, im Westen hingegen 3,9. Fünf Jahre später waren es in den neuen Bundesländern durchschnittlich 6,0 Kinder, im Westen 3,6. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den Kindergärten.

Die Zahlen müssen allerdings vor dem Hintergrund gewertet werden, dass ostdeutsche Krippen traditionell deutlich mehr Kinder unter drei Jahren betreuen. Unser Vorstand Jörg Dräger fasst die Ergebnisse zusammen: "Die Kita-Qualität hat sich bundesweit verbessert – die Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland ist allerdings geblieben." Zudem stagniere seit zwei Jahren der Ausbau. Seit 2015 hat sich in elf Bundesländern im Krippenbereich der Personalschlüssel nicht weiter verbessert.

Laut Empfehlung der Bertelsmann Stiftung sollten Krippen-Kinder eine Fachkraft betreuen. In Kindergärten die Stiftung einen Personalschlüssel von 1 zu 7,5.

Hintergrundinformationen

Grundlage der Berechnungen im jährlich aktualisierten Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Datenerhebung war jeweils der 1. März eines Jahres.

Der Personalschlüssel sowie die Leitungsausstattung sind zwei zentrale strukturelle Qualitätsmerkmale von Kitas. Unserer Empfehlung nach sind für eine gute Kita auch Standards für berufsbegleitende Beratung sowie Aus-, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte und eine gute Mittagsverpflegung wichtig. Für eine kindgerechte frühkindliche Bildung empfehlen wir in Krippen einen Personalschlüssel von 1 zu 3 und in Kindergärten von 1 zu 7,5. Für eine angemessene Leitungsausstattung sprechen wir uns für jede Einrichtung für eine Grundausstattung von 20 Wochenstunden plus 0,35 Stunden pro rechnerisch ganztagsbetreuten Kind aus.

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Weitere Informationen zum Projekt Ländermonitoring Frühkindliche Bildung finden sich auf der Website der Bertelsmann Stiftung. Außerdem gibt es dort Infografiken mit den Fakten zu den jeweiligen Ländern.

Alle Inormationen und Daten des aktuellen Ländermonitors stehen aufwww.laendermonitor.de

Quelle: Bertelsmann Stiftung, 28.08.2018

Übrigens!

"Niedersachsens Trend zu mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung setzt sich weiter fort" kommentierte Kultusminister Tonne den Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme. Lesen Sie mehr dazu in der Pressemitteilung des Niedersächsischen Kultusministeriums vom 28.08.2018

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