Gutachten zur Ganztagsbetreuung: Eltern, Kinder und Wirtschaft profitieren

Beim Thema Ganztagsbetreuung geht es um Chancengleichheit für Kinder und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Davon profitieren Eltern, Kinder und Wirtschaft. Bis 2025 soll ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umgesetzt werden. Dazu unterstützt der Bund die Länder mit Finanzhilfen in Höhe von zwei Milliarden Euro.

Obwohl die Infrastruktur zur Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern in den vergangenen Jahren ausgebaut wurde, wird der Bedarf bislang nicht gedeckt, wie das Bundesfamilienministerium mitteilt. Bundesweit wird etwa die Hälfte der 2,9 Millionen Grundschulkinder unter elf Jahren ganztägig in Grundschulen und Horten betreut. Der Bedarf liegt aktuell jedoch bei 73 Prozent (Stand 2018) - Tendenz steigend. Die Bundesregierung hat sich deshalb im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, bis 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder auf den Weg zu bringen.

Gutachten zur Ganztagsbetreuung

Vom Ausbau der Ganztagsbetreuung profitieren auch die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und der Staat: Das belegt ein Gutachten des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erstellt wurde. Es untersucht, welche Auswirkungen der Ausbau der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder auf die Erwerbstätigkeit der Eltern und insbesondere der Mütter hat und welche Mehreinnahmen bei Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen sowie Einsparungen bei Sozialleistungen zu erwarten sind. Am 20. Januar 2020 stellten Dr. Franziska Giffey und die Leiterin der Abteilung Bildung und Familie im DIW Berlin, Professorin Dr. C. Katharina Spieß, das Gutachten in Berlin vor.

Kernergebnis des Gutachtens ist: Die Erwerbstätigkeit und das Erwerbsvolumen von Müttern steigt je nach durchgerechnetem Szenario um zwei bis sechs Prozentpunkte. Familien haben dadurch ein höheres Einkommen und sind seltener auf staatliche Unterstützung angewiesen. Auch die Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen steigen deutlich.

Der Ausbau der Betreuungsangebote finanziert sich demnach zu einem nicht unerheblichen Teil selbst. Je nach Szenario und Kostenschätzung zu 30 bis 90 Prozent. Der Ausbau ermögliche es Frauen, erwerbstätig zu sein oder ihre Arbeitszeit aufzustocken. Das komme nicht nur den Familien zugute. Unter dem Strich verzeichnen Staat und Sozialversicherungen deutliche Mehreinnahmen.

Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung

Um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bundesweit umzusetzen, unterstützt der Bund die Länder mit Finanzhilfen in Höhe von zwei Milliarden Euro. Diese werden über ein Sondervermögen des Bundes zur Verfügung gestellt, das vom Bundeskabinett am 13. November 2019 auf den Weg gebracht wurde. Die Regelungen zum Rechtsanspruch und für die Finanzhilfen an die Länder folgen noch im Jahr 2020.

Bund und Länder haben sich bereits in einer Arbeitsgruppe über den Umfang des Rechtsanspruchs verständigt: Der Rechtsanspruch soll eine Betreuung von acht Stunden an fünf Tagen pro Woche für die Klassen eins bis vier regeln. Auch die Ferienbetreuung soll abgedeckt sein, höchstens vier Wochen Schließzeiten sollen noch möglich sein.

Nach Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts liegen die Kosten bei einer Betreuungsquote von 75 Prozent für die Investitionskosten zwischen 4,4 und 6,5 Milliarden Euro und bei den Betriebskosten pro Jahr zwischen 2,6 und 3,9 Milliarden Euro.

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Quelle: Pressemitteilung BMFSFJ, 20.01.2020
www.bmfsfj.de

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