Forschungsergebnisse: Häuslicher Gewalt im Migrationskontext vernetzt und kompetent begegnen

Fachberatungsstellen, die auf den Bereich Gewalt gegen Frauen spezialisiert sind, erreichen Frauen mit Migrationshintergrund nur selten. Die Ausnahme sind Frauenhäuser. Das hat eine durch das Niedersächsische Sozialministerium geförderte Studie ergeben.

Dr. Sabine Bohne und Dr. Annette Müller von der Universität Osnabrück sind dabei den Fragen nachgegangen wie Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland häusliche Gewalt erleben, welche Hilfestrukturen sie vorfinden und wie stark sie sie in Anspruch nehmen.

Die Ergebnisse des Praxisforschungsprojekts "Häuslicher Gewalt im Migrationskontext vernetzt und kompetent begegnen" ist Mitte Juli 2015 bei der ersten Sitzung des Fachbeirats zur Umsetzung des Landesaktionsplans "Häusliche Gewalt in Paarbeziehungen" vorgestellt worden.

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig:

  • Die bestehenden Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten sind gewaltbetroffenen Migrantinnen nur unzureichend bekannt.
  • Die fehlenden Sprachkenntnisse führen dazu, dass die Angebote von den Migrantinnen nicht genutzt werden.
  • Insbesondere für Migrantinnen ist der Ausbau niedrigschwelliger, zugehender und anonymer Hilfsangebote wichtig.

"Diese Ergebnisse sind besorgniserregend", so Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt. "Wir müssen auch Migrantinnen im Fall häuslicher Gewalt gezielt und angemessen unterstützen. Wir werden jetzt gemeinsam mit der Koordinierungsstelle "Häusliche Gewalt" beim Landespräventionsrat Schulungen und Weiterbildungen konzipieren, die sich explizit an Multiplikatorinnen richten. Der Einsatz mehrsprachigen und mehrkulturellen Personals ist eine erfolgsversprechende Strategie zur Öffnung sozialer Dienste - ebenso wie der Kontakt zu und die Vernetzung mit Migrantenorganisationen."

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Annette Müller / Sabine Bohne
Landespräventionsrat Niedersachsen (Hrsg.):
Häuslicher Gewalt im Migrationskontext vernetzt und kompetent begegnen.
Analysen und Handlungsempfehlungen zur Optimierung des Hilfesystems aus multiprofessioneller Sicht

Hannover 2015
134 Seiten

Die Studie steht als Download Auf der Website des Landespräventionsrat Niedersachsen zur Verfügung

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, 15.07.2015

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