Elterntalk Niedersachsen: Gesund aufwachsen – für alle Kinder gleich?


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Was brauchen Kinder, um körperlich und emotional gesund aufzuwachsen? Benötigen Familien, die wenig Geld haben oder erst seit kurzem hier leben, dabei besondere Unterstützung? Über diese Fragen haben sich etwa 60 pädagogische Fachkräfte aus diversen Praxisfeldern und Moderatorinnen und Moderatoren des Projekts Elterntalk Niedersachsen am 22. Mai 2019 intensiv ausgetauscht. Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen (LJS) hatte zum "6. Interkulturellen Kaffeeklatsch" nach Hannover eingeladen.

Zum gesunden Aufwachsen gehört mehr als eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und eine gute Schulbildung. Verlässliche Zuwendung in der Familie, Vertrauenspersonen und Freunde sind elementar, um Kindern ein tragfähiges Selbstwertgefühl zu vermitteln und sie stark zu machen. Darin waren sich die Kaffeeklatsch-Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig.

"Dieser interkulturelle Diskurs zu vielfältigen Erziehungsfragen und Jugendschutz ist einmalig und soll auf jeden Fall beibehalten werden", betonte Andrea Urban, Leiterin der LJS. "Gesundes Aufwachsen ist für viele Eltern ein drängendes Thema, obwohl es dazu viele Broschüren und Beratungsangebote gibt", berichtet Simone Zanjani. Sie leitet das Projekt Elterntalk Niedersachsen.
Mit dieser interkulturellen Initiative erreicht die LJS seit 2012 landesweit zahlreiche Mütter und Väter, die klassische Angebote zur Elternbildung selten wahrnehmen. Elterntalk-Gesprächsrunden werden daher im privaten Rahmen organisiert und von Moderatorinnen oder Moderatoren geleitet, die Eltern sind und in dialogischer Gesprächsführung ausgebildet wurden. Sie kommen aus der Türkei, Iran, Russland, Syrien und weiteren Ländern.

Im privaten Rahmen über tägliche Sorgen sprechen

Nach Zanjanis Erfahrung sind besonders Eltern von Vor- und Grundschulkindern unsicher, was sie tun können, damit diese gut und gesund aufwachsen. Der Erziehungsalltag stelle Mütter und Väter immer wieder auf die Probe und vor neue Herausforderungen. Der Austausch in kleiner Runde und im privaten Rahmen erweise sich als effektiver Weg, um Antworten auf viele alltägliche Fragen zu geben: "Ein Elterntalk ist die Gelegenheit, um über Sorgen und Wünsche zu sprechen und bei Bedarf Kontakte zu den passenden Anlaufstellen vor Ort zu erhalten."

Niedrigschwellige Angebote unterstützen gesundes Aufwachsen

"Das deutsche Unterstützungssystem für Familien ist selbst für Deutsche ohne Migrationshintergrund kompliziert. Viele Elterninformationen gibt es zudem nur in deutsch. Die Beratungsangebote sind in der Regel wenig transparent und nicht niedrigschwellig genug", kritisiert Thomas Altgeld. Der Diplom-Psychologe ist Geschäftsführer der Landesvereinigung für Gesundheit Niedersachsen und hat unter anderem das nationale Gesundheitsziel "Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung" koordiniert. Am Mittwoch steuerte er mit seinem Vortrag "Wohlbefinden von Kindern stärken - nicht nur eine Frage von mehr oder weniger Gemüse" fachlichen Input zum Interkulturellen Kaffeeklatsch bei.

Soziale Ressourcen erkennen und fördern

Altgeld warnt vor einem "rein risikoorientierten Blick" auf Familien in schwierigen Lebenslagen. Insbesondere die sozialen Kompetenzen in Familien mit Migrationshintergrund seien zu wenig erforscht. "Wir brauchen ein ganzheitlicheres Bild von Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen und mehr Dialogbereitschaft. Viele Hilfesysteme entmündigen oder sind völlig intransparent. Hier müssen Barrieren abgebaut und interkulturelle Kompetenzen gestärkt werden", sagt Altgeld. Dies könne nur durch Kontakt und Dialog auf Augenhöhe, ohne Belehrung oder das Fokussieren auf Defizite gelingen, wie dies bei den Elterntalks bereits erfolgreich praktiziert werde.

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Quelle: Pressemitteilung LJS, 22.05.2019
www.jugendschutz-niedersachsen.de

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