Zeit für Familie und Beruf - was Mütter und Väter wollen

Zeitkonflikte sind ein großes Problem bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit für Kinder und viele Frauen wollen sich stärker beruflich engagieren. Die doppelte Vollzeit verspricht hier keine Lösung. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsforum Familie Untersuchungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familienaufgaben ausgewertet und geht der Frage nach, welche Wünsche Frauen und Männer, Mütter und Väter im Hinblick auf die partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit haben.

Flexible Arbeitszeiten finden demnach bei Familien den meisten Zuspruch. Aber auch die Erleichterung der Wiedereingliederung nach der Elternzeit und mehr Rücksichtnahme auf Väter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, finden große Zustimmung. Ebenso die Bereitstellung von Ganztags- und flexiblen Betreuungsangeboten. Hier deutet sich an: Die Arbeitszeit ist ein Mosaikstein in einem größeren Gesamtbild einer familienfreundlichen Gesellschaft.

Die Bedürfnisse sind jedoch unterschiedlich und hängen stark von der ökonomischen Situation der Familien ab. Für Eltern mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 3.000 Euro ist tendenziell bessere finanzielle Unterstützung wichtig, für Familien mit einem höheren Nettoeinkommen hingegen liegt der Schwerpunkt bei "mehr Zeit für die Familie".

Deutschland gehört zu den Ländern in Europa mit den am deutlichsten ausgeprägten Geschlechterdifferenzen am Arbeitsmarkt. Die Geschlechterlücke liegt in der bezahlten Arbeit bei mehr als zehn Stunden, in der unbezahlten Arbeit in Familien bei mehr als 20 Stunden, so die Studie. Die 40-Stunden-Vollzeit für Frauen zur Standardarbeitszeit zu erklären, führe ziemlich sicher zu einer starken Überlastung von Müttern, solange keine gravierende Entlastung in der unbezahlten Arbeit erreicht wird. Die Möglichkeit Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit gerechter aufzuteilen sei daher das, was Frauen und Männer wollen.

Die Untersuchung gibt dazu zusammenfassend einige Politikempfehlungen:

  • Neuverteilung des vorhandenen Arbeitsvolumens zwischen Männern und Frauen und die Einführung eines flankierenden Sozialsystems.
  • Entwicklung von Optionen, die es ermöglichen, für gesellschaftlich erwünschte Anlässe (Kindererziehung, Pflege älterer Angehöriger, Weiterbildung etc.) temporär die Arbeitszeit zu reduzieren
  • Einführung eines Rechts auf befristete Teilzeit
  • Führung in Teilzeit stärken
  • Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung von flexiblen Arbeitszeitmodellen

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Barbara König / Jonathan Menge / Christina Schildmann:
Zeit für Familie und Beruf - was Mütter und Väter wollen
Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft
Berlin 2015

Download der Studie von der Website der FES

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