Qualität der Kinderbetreuung in Deutschland unbefriedigend
Die pädagogische Qualität der Kinderbetreuung in Deutschland ist im Durchschnitt nur mittelmäßig. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Die multizentrische Studie, an der mehrere Forschungseinrichtungen beteiligt waren, bietet erstmals empirisches Grundlagen- und Anwendungswissen zur Kinderbetreuung in Deutschland. Eine Zusammenfassung der Hauptergebnisse wurde im April 2012 vorgelegt. Ein besonderer Schwerpunkt der Studie liegt auf Kindern und Familien mit russischem und türkischem Migrationshintergrund. Sie bilden die größte Migrantengruppe in Deutschland.
Einige zentrale Ergebnisse:
- Innerhalb jeder Betreuungsform bestehen erhebliche Unterschiede: Die pädagogische Qualität in Kindergärten, Krippen, altersgemischten Gruppen, Tagespflegestellen und Familien reicht von unzureichend bis gut und ausgezeichnet.
- Nach wie vor gibt es Ost-West-Unterschiede in der Qualität der Betreuungseinrichtungen.
- Trotz verschiedener Reformanstrengungen in den letzten 15 Jahren hat sich die Qualität der pädagogischen Prozesse in Kindergartengruppen im Durchschnitt in Deutschland nicht verbessert.
- Die Ergebnisse zeigen für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund: Der Bildungs- und Entwicklungsstand der Kinder steht stärker mit den Lebensbedingungen in ihren Familien in Zusammenhang als mit der pädagogischen Qualität in den außerfamiliären Betreuungseinrichtungen.
Neben einer Verbesserung der Qualität pädagogischer Prozesse in den Betreuungseinrichtungen sieht die Studie vor allem auch Handlungsbedarf zugunsten von Kindern mit Migrationshintergrund: Diese benötigen besonders gute Betreuungsqualität und einen frühen Eintritt in außerfamiliäre Betreuung.
Systematische Analyse
Mit NUBBEK liegt die erste bundesweite Studie vor, die die Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit systematisch analysiert: in Kindergärten und Krippen, in altersgemischten Gruppen, in Tagespflegestellen und Familien - auch im Vergleich zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden in acht Bundesländern zwei- und vierjährige Kinder, ihre Familien und ihre Betreuungseinrichtungen in die Untersuchung einbezogen. Dafür wurden rund 2000 Kinder und ihre Familien besucht und die pädagogische Arbeit in annähernd 600 Betreuungseinrichtungen begutachtet. Neben mehrstündigen Beobachtungen wurden Tests mit Kindern, ausführliche Interviews mit Eltern und Fachpersonal durchgeführt sowie der Bildungs- und Entwicklungsstand der betreuten Kinder erfasst.
Beteiligte Bildungsinstitutionen
PädQUIS - Kooperationsinstitut der FU Berlin | Deutsches Jugendinstitut (DJI), München |
Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM), Kandern | NUBBEK Arbeitsgruppe der Universitäten Bochum/Osnabrück | Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP), München.
Die unabhängige Studie wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Jacobs Foundation und der Robert Bosch Stiftung sowie den Bundesländern Bayern, Brandenburg, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen.
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