Kinderarmut: Drängende Handlungsaufforderung an die Politik
Das Bundesjugendkuratorium (BjK) weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass durch Armut nicht nur die fundamentalen Rechte der Kinder verletz werden, sondern ihre Teilhabe-, Entwicklungs- und Entfaltungschancen eingeschränkt sind. Deshalb formuliert das BjK konkrete Forderungen an die Politik und gibt Empfehlungen zur nachhaltigen Vermeidung der Kinderarmut.
Was ist unter Kinderarmut in Deutschland zu verstehen?
Keinesfalls ist bei Kinderarmut nach der Ansicht des BjK nur von einer materiellen Unterversorgung auszugehen. Zur Kinderarmut gehört wesentlich mehr. So kann auch dazu gezählt werden, wenn Kinder in ihren Bildungschancen oder in ihrer Gesundheit beeinträchtigt sind. Arme Kinder sind beispielsweise häufiger von Essstörungen, Adipositas oder Mangel an körperlichen Aktivitäten betroffen. Sie haben insgesamt weniger Gestaltungsspielräume und Entfaltungsmöglichkeiten als Kinder, die nicht in armen Familien leben. Auch sind Eltern, die unter materiellen Druck stehen, nicht selten überfordert, was die Unterstützung und Förderung ihrer Kinder angeht.
Wie groß ist das Ausmaß der Kinderarmut?
Das BjK greift bei der Bezifferung der Kinderarmut auf die Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) zurück. Danach ist jedes vierte Kind in Deutschland von Armut bedroht.
Was sind die Ursachen der Kinderarmut?
Kinder, die von Armut betroffen sind, werden vom BjK in drei Gruppen eingeteilt. Besonders von Armut betroffen sind demnach Kinder von Alleinerziehenden. Auch Kinder aus kinderreichen Familien haben überproportional mit Armut zu kämpfen. Zur letzten Gruppe der von Armut betroffenen Kinder gehören die aus Familien mit Migrationshintergrund.
Welche Maßnahmen zum Abbau der Kinderarmut gibt es?
Das BjK begrüßt die politische Initiative, durch Integration der Mütter und Väter in den Arbeitsmarkt, die Armutsprävention voranzutreiben. Allerdings geht es davon aus, dass die Förderung von Minijobs sowie die Steuergesetzgebung mit dem Ehegattensplitting eher Gegenteile Effekte nach sich ziehen. Daher fordert das BJK
- Weiterentwicklung der Steuergesetzgebung für Ehepaare mit einem lohnenden Anreiz zur Erwerbstätigkeit von Frauen
- Weiterentwicklung des zersplitterten Leistungssystems in Richtung einer Kindergrundsicherung
- Ausbau der Kinderbetreuung als Orte zur Förderung der frühkindlichen Bildung und Entwicklung
- Infrastrukturangebote sowie Förder- und Unterstützungsmaßnahmen in den Kommunen systematisch weiterzuentwickeln.




