Inklusion in der Vorschulpädagogik

Bis in die 60er Jahre war das gemeinsame Spielen, Lernen und Leben von Kindern mit und ohne Behinderung in Kindergarten und Schule undenkbar. Mittlerweile ist die integrative Bildung und Erziehung in der Frühpädagogik selbstverständlicher geworden. Seit die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten ist, wird anstatt von Integration von Inklusion gesprochen: Für die Inklusions-Pädagogik gibt es keine zwei Gruppen von Kindern, sondern einfach Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Integrative Kindertageseinrichtungen
Mann und Kinder im SandkastenIntegrationskindergärten nehmen neben "normal" entwickelten Kindern auch Kinder mit körperlichen oder geistigen Schwächen oder Behinderungen (beispielsweise Wahrnehmungsstörungen, Entwicklungsverzögerungen oder Sprachauffälligkeiten) auf. Das Konzept einer gemeinsamen Betreuung stützt sich auf die Erfahrung, dass alle Kinder viel voneinander lernen können. Das Zusammenleben wird von ihnen als selbstverständlich erlebt - so können Hemmschwellen oder Vorbehalte erst gar nicht aufgebaut werden.

In einer integrativen Einrichtung gibt es Phasen, in denen die Kinder getrennt voneinander betreut werden und Phasen, in denen sie gemeinsam basteln, spielen oder singen. Die heilpädagogische Förderung der Kinder mit Behinderung beinhaltet spezielle Fördermaßnahmen, die individuell ausgerichtet sind, wie beispielsweise:

  • Entwickeln und fördern der Selbständigkeit, vor allem für Dinge des täglichen Lebens
  • Förderung der emotionalen, körperlichen und geistigen Entwicklung
  • Förderung der Konzentration und Ausdauer
  • Entwickeln der Antriebskräfte
  • Entwickeln und Fördern des Sozialverhaltens

Hauptziel der Förderung ist, dass sich die sozial-emotionalen, kommunikativen, kognitiven und physischen Bereiche des Kindes in einem harmonischen Zusammenhang entwickeln.

Niedersachsen In Niedersachen trägt die Kosten für die Betreuung eines Kindes mit Behinderung in einem integrativen Kindergarten das Land.

Inklusion - Unterschiede erwünscht

Heute gewinnt der Begriff Inklusion in der Früh- und Vorschulpädagogik immer mehr an Bedeutung. Im Unterschied zur Integration bedeutet Inklusion die selbstverständliche Teilhabe in allen Lebensbereichen. Der Inklusionsbegriff wird oft im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen verwendet, die eine körperliche Beeinträchtigung haben oder die zum Beispiel als verhaltensauffällig, entwicklungsverzögert, lernschwach oder lernbehindert gelten. Das sind in der Regel Kinder, die sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Durch Inklusion soll eine Ausgrenzung von vornherein vermieden werden. Für die Inklusions-Pädagogik gibt es deshalb keine zwei (oder mehr) Gruppen von Kindern, sondern einfach Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Barrieren für Spiel, Lernen und Teilhabe sollen für alle Kinder auf ein Minimum reduziert werden. Das bezieht auch Kinder unterschiedlicher Herkunft und Prägung, also Kinder mit einem Migrationshintergrund oder sozial benachteiligte Kinder, mit ein.

Rechtsanspruch auf gemeinsames Lernen und gemeinsame Betreuung

2006 haben die Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet. In der Bundesrepublik Deutschland ist die UN-Behindertenrechtskonvention 2009 in Kraft getreten. Im Originaltext der Konvention und in der sogenannten "Schattenübersetzung", an der die Behindertenrechtsorganisationen mitgewirkt haben, wird nicht mehr von Integration, sondern von Inklusion gesprochen. Das soll deutlich machen, dass es um weit mehr geht, als Menschen mit Behinderung in den Alltag von Nicht-Behinderten zu integrieren. Selbstverständliches Dabeisein und eine aktive, möglichst uneingeschränkte Teilnahme am täglichen Leben ist das Ziel. Unter anderem erkennt Artikel 24 der Konvention das Recht auf Bildung und die Pflicht auf Gewährleistung eines inklusiven Bildungssystems auf allen Ebenen an. Krippen, Kindertagesstätten und Schulen müssen so ausgestattet werden, dass sie kein Kind aussondern.

Rechtliches Mit dem Kinderförderungsgesetz (KiföG) besteht in Deutschland außerdem seit 2013 für alle ein- bis dreijährigen Kinder ein individuell einklagbarer Rechtsanspruch auf einen bedarfsgerechten Betreuungsplatz. Allerdings gibt es in diesem Gesetz keine besonderen Vorgaben für die gemeinsame Erziehung und Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung. Wie die integrativen Plätze ausgebaut und ausgestaltet werden liegt allein in der Verantwortung der Bundesländer und Kommunen.

Niedersachsen Nach dem Niedersächsischen Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder (KitaG) müssen die öffentlichen Träger der Jugendhilfe die gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung nach Möglichkeit in ortsnahen Kindertagesstätten gewährleisten (§§ 3,6 und 13,2 KitaG).

Lese- und Filmtipp

Kitas als Türöffner
Kitas-als-Türöffner_CoverWie "integrative Tageseinrichtungen für Kinder als Schlüssel zur gleichberechtigten Teilhabe" funktionieren können, zeigt diese Broschüre der Uni Hannover und der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE). Sie präsentiert die Ergebnisse aus dem gleichnamigen Forschungsprojekt, das von 2009 bis Anfang 2011 durch das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) gefördert wurde. Für Eltern, Fachkräfte und Träger wird anhand zahlreicher Interviewausschnitte das Thema gemeinsame Erziehung vorgestellt.

Die Broschüre ist über die Geschäftsstelle der lagE gegen eine Schutzgebühr von 3 Euro zu beziehen (info@elterninitiativen-nds-hb.de, T 0511 / 161 40 45) und steht als PDF-Datei unter www.elterninitiativen-nds-hb.de als kostenloser Download bereit.

Ein Platz für Änna
Ein-Platz-für-Änna_DVD-CoverWie die Integration von Kleinkindern mit Behinderung in Krippen und Krabbelgruppen aussehen kann, zeigt dieser Film des Vereins Mittendrin Hannover e.V. Am Beispiel von Änna aus der KinderGruppe "WitteKids" zeigt er Ausschnitte aus dem Tagesablauf und gibt Einblicke in die heilpädagogische Arbeit in einer integrativen Krippe. Kurze Interviews mit der heilpädagogischen und der pädagogischen Fachkraft, einem Elternteil des Kleinkindes mit Behinderung sowie einem Elternteil eines Kleinkindes ohne Behinderung ergänzen die Dokumentation.

Die DVD kann für 5,00 Euro (inkl. Porto) über die Website www.mittendrin-hannover.de bestellt werden.

Übrigens! Mittendrin Hannover e.V. unterstützt Eltern und andere Erziehungsberechtigte, die integrative Erziehung und Bildung für ihr Kind zu realisieren: Der Verein bietet Betroffenen und ihren Angehörigen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch, berät Institutionen und Einrichtungen bei der Schaffung von integrativen Plätzen und bei ihrer integrativen Arbeit.

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Webtipps

www.institut-fuer-menschenrechte.de
Webtipp Auf der Website des Deutschen Instituts für Menschenrechte finden Sie die verschiedenen Sprachversionen, auch barrierefrei, der UN-Behindertenrechtskonvention.

www.ich-kenne-meine-rechte.de
UN-Behindertenrechtskonvention in leichter Sprache

www.ms.niedersachsen.de
Mehr Informationen zu Betreuungsangeboten für Kinder mit Behinderungen finden Sie auf der Website des Niedersächsischen Sozialministeriums.

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