Mobbing unter Kindern und Jugendlichen

Der Begriff "Mobbing" stammt aus dem Englischen und bedeutet anpöbeln, fertigmachen. Damit ist eine Form offener aber auch subtiler Gewalt gemeint, die über längere Zeit gegen Personen ausgeübt wird, mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung. Es kann sich hierbei um verbale und physische Gewalt handeln. Für viele Kinder gehört Mobbing inzwischen zum Schulalltag. Erste Ausgrenzungserfahrungen werden oft schon in der Kita gemacht. Laut Studien sind davon bundesweit 500.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Häufig schämen sich die betroffenen Kinder und Jugendlichen dafür, in der Opferrolle zu sein.

Der Anlass für diese Schikanen scheint meist willkürlich zu sein. Da ist ein Kind neu auf der Schule, hat eine Brille oder eine dunklere Hautfarbe, das reicht für viele Schülerinnen und Schüler aus, jemanden zum Mobbing-Opfer zu machen: zum Beispiel durch Hänseln, Drohen, Abwerten, Beschimpfen, Bloßstellen, Schikanieren, Ruf schädigen, "Kaltstellen" oder durch das Beschädigen von Eigentum der gemobbten Person.

Das Leiden der Mobbingopfer
Meistens sucht das Opfer das "Problem" erst einmal bei sich selbst - oft über einen längeren Zeitraum. Nur selten informiert eine Schülerin oder ein Schüler eine Lehrkraft oder erzählt es den Eltern. Die Folgen wirken sich auf die gesamte Persönlichkeit aus: Zum Verlust des Selbstvertrauens können Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme kommen. Durch die Isolierung und Einsamkeit entwickeln sich depressive Tendenzen und Passivität. Die Lernmotivation nimmt ab bis zu Lernunlust und Schulvermeidung. Bei den Betroffenen können folgende Verhaltensweisen mögliche Anzeichen für Mobbing sein:

  • Sie wollen nicht mehr zur Schule gehen oder zur Schule gefahren werden.
  • Ihre schulische Leistung lässt nach.
  • Sie verlieren Geld (das Geld wird erpresst).
  • Sie können oder wollen keine schlüssige Erklärung für ihr Verhalten geben.
  • Sie beginnen zu stottern.
  • Sie ziehen sich zurück.
  • Sie haben Alpträume.

Was können Eltern tun?

Die Warnsignale von Mobbing müssen ernst genommen werden. Bei einem Verdacht sollten Eltern die Schule informieren und fordern, dass gehandelt wird. Notfalls können Sie sich auch an die Schulleitung, den Elternbeirat oder eine Beratungsstelle wenden.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Phänomen Mobbing.
  • Hören Sie zu, wenn Ihr Kind von der Schule erzählt.
  • Nehmen Sie es ernst.
  • Halten Sie Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern.
  • Nutzen Sie Elternsprechtage und Sprechstunden.
  • Fragen Sie nicht nur nach Noten, sondern auch danach, ob Ihr Kind gut in die Klasse integriert ist.

Cybermobbing / Cyberbullying / Happy Slapping

Auch neue Kommunikationsmittel wie Handy, E-Mails, Websites, Foren oder Chats werden zum Mobbing missbraucht. Das "Cybermobbing" oder auch "Cyberbullying" wird z.B. in Chats, Foren und per E-Mail ausgeübt, aber auch in Social Communities wie SchülerVZ und auf Videoplattformen wie Youtube. Mehr als jedes zehnte Kind weltweit ist Opfer von Cybermobbing.

Die Formen des Mobbings sind verschieden: So werden beispielsweise diffamierende Fotos oder Filme eingestellt und verbreitet. Beim "Happy Slapping" werden körperliche (oder verbale) Angriffe gefilmt und online gestellt. In Social Communities werden manchmal Diskussionsgruppen gegründet, in denen über eine bestimmte Person gelästert wird. Durch das Internet werden diese Lästerungen und Diffamierungen einem großen Personenkreis mitgeteilt. Umfang und Auswirkungen der Veröffentlichungen sind dadurch weder zu steuern, noch sind sie überschaubar. Anders als das Mobbing in der Schule (oder am Arbeitsplatz) verfolgen diese Formen der Gewalt die Opfer rund um die Uhr und überall, zum Teil auch noch Jahre später, denn "das Internet vergisst nie".

Cybermobbing - Was tun?
Zwar ist Cybermobbing selbst kein Straftatbestand - Beleidigung, Bedrohung und die Verbreitung von fremdem Bildmaterial aber schon.

  • Dokumentieren Sie den Vorfall: machen Sie Screenshots von beleidigenden Einträgen, speichern Sie Mails und diffamierende Inhalte.
  • Der Betreiber der Website, über die Ihr Kind gemobbt wurde, sollte informiert werden. Liefern Sie ihm dabei so viele Details wie möglich. Der Betreiber ist dazu verpflichtet, die Verunglimpfungen aus seinem Angebot zu löschen. Sollte er das nicht tun, können Sie sich an eine Beschwerdehotline wie z.B. www.jugendschutz.net wenden.
  • Erstatten Sie Anzeige. In Fällen von massiven Beleidigungen und Drohungen und groben Persönlichkeitsrechtsverletzungen ist eine Strafanzeige gegen den Täter oder die Täterin möglich. Dabei ist es wichtig, dass die Vorfälle so gut wie möglich dokumentiert werden.

Webtipps mit weiterführenden Informationen und Materialien

www.mobbing-schluss-damit.de | Informationen und Tipps
Webtipp Die Anti-Mobbing-Website von Seitenstark, der Arbeitsgemeinschaft vernetzter Kinderseiten, informiert sowohl Kinder als auch Eltern ausführlich zum Thema Mobbing und Cybermobbing. Außerdem gibt es jeweils ein Forum für eigene Erfahrungen sowie zahlreiche Tipps und Ratschläge.

www.jakob-und-die-cyber-mights.de | Lernspiel für Kinder und Jugendliche ab zehn Jahren
Webtipp Cyber-Mobbing an der Schule ist ein ernstzunehmendes Problem. Das vom Landesverband Bayern des Deutschen Kinderschutzbundes initiierte Point'n Click Adventure "Jakob und die Cyber-Mights" hilft, Kinder und Jugendliche auf das Thema aufmerksam zu machen. Es vermittelt spielerisch, wie man sich vor Cyber-Mobbing schützen kann. Das Spiel vermittelt Sachwissen, z. B. über Verhalten in Sozialen Netzwerken, die Verwendung von Pseudonymen und Nicknames und über sichere Passwörter. Außerdem lässt sich ausprobieren, wie man sich gegen ungerechte Angriffe und Beleidigungen auch im Internet sinnvoll wehren kann. Das Spiel funktioniert sowohl online als auch offline und ist, neben der PC-Version, auch mit dem Touch-Bildschirm zu bedienen: Es läuft auf Smartphones und Tablet-PCs und ist als kostenlose Mobile App (WIN8, iOS, Android) erhältlich. 

"Opfer, Schlampe, Hurensohn. Gegen Mobbing"
Buchtipp Der Flyer von Handysektor will Mobbingopfern Wege aufzeigen, über die sie Hilfe finden können, und sie ermutigen, sich nahestehenden Personen anzuvertrauen. Der Comic greift besonders die Gefühlslage der Betroffenen auf. Er steht als Download und zum Bestellen unter www.handysektor.de.

Buchtipp www.kinderbuch-couch.de | Das Kinderbuch-Couch-Special zum Thema "Mobbing unter Kindern" stellt Kinderbücher für unterschiedliche Altersstufen vor sowie Elternratgeber zum Thema.

www.jugendbuch-couch.de | Hier finden Jugendliche entsprechende Bücher zum Thema "Mobbing & Gewalt".

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(Text: Sylvia Wilke)

Nummer gegen Kummer - kostenlose Hotline für Kinder und Eltern
BeratungDie Beraterinnen und Berater des Kinder- und Jugendtelefons bzw. Elterntelefons sind speziell geschult in Themen wie Cybermobbing oder Belästigung in Foren, Chats und Sozialen Netzwerken. Die Gespräche sind anonym und gebührenfrei:

Kinder- und Jugendtelefon 0800 / 111 0 333
oder europaweit einheitlich 116 111
montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr

Neben den Informationen zur Telefonberatung gibt es unter www.nummergegenkummer.de auch eine Internetberatung per E-mail für Kinder und Jugendliche.

Elterntelefon 0800 / 111 0 550
montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr
dienstags und donnerstags von 17 bis 19 Uhr

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