Waldorfschulen
Wer sich mit Rudolf Steiners Anthroposophie anfreunden kann und für seine Kinder einen kreativen und die Persönlichkeit fördernden Unterricht wünscht, der ist in dieser Schule richtig. Bundesweit gibt es über zweihundert Waldorfschulen - 26 davon in Niedersachsen. Im Unterschied zu den staatlichen Schulen können die Schülerinnen und Schuler nicht sitzen bleiben, es gibt keine Noten (in der Regel bis zur neunten Klasse) und in den meisten Fächern der Unter- und Mittelstufe wird fast ohne Schulbücher gearbeitet. Die Klassenlehrerinnen und -lehrer begleiten ihre Schülerinnen und Schüler in den ersten acht Jahren und unterrichten fast alle Fächer. Sie gestalten individuelle Lehrpläne, die sich an den Entwicklungsstufen der Kinder ausrichten sollen. Die Schulzeit beträgt zwölf Jahre.
Entwicklung des ganzen Menschen
Im Zentrum der Waldorfpädagogik steht die Entwicklung des ganzen Menschen. Neben intellektuellen Fähigkeiten sollen ebenso auch soziale und handwerklich-künstlerische Talente ausgebildet werden. In den ersten Klassen geht es um die Schulung der Sinne. Ab der vierten Klasse kommen die kognitiven Lehrinhalte dazu. Feste Unterrichtsfächer sind Gartenbau und Eurythmie. In der Mittel- und Oberstufe gehören verschiedene Praktika zum Lehrplan, ebenso wie Theateraufführungen und das Lernen eines Instruments. Die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer begleiten die Kinder bis zur 8. Klasse.
Waldorfschülerinnen und -schüler starten mit rhythmischen Übungen, Singen und Morgensprüchen in den Unterrichtstag. Nach einer Mittagspause folgen künstlerische und praktische Übungen. Der eigentliche Unterricht selbst folgt nicht einem fest gesetzten 45-Minuten-Zyklus, sondern wird in einem mehrwöchigen Epochenunterricht erteilt. Die Klassenräume sind oft rund, eine besondere Farbgebung soll die Kinder zusätzlich positiv stärken.
Kein Notendruck
Statt Noten gibt es in der Unter- und Mittelstufe individuelle Beurteilungen und Zeugnissprüche. In der 8. und 12. Klasse setzen sich die Schülerinnen und Schüler in einer großen Jahresarbeit mit einem Thema ihrer Wahl in Theorie und Praxis auseinander.
Organisation
Waldorfschulen entstehen aus Elterninitiativen und werden vom Lehrerkollegium in Selbstverwaltung mit den Eltern geführt. Entsprechend unterschiedlich sind Qualität und Ausrichtung der Schulen.
Schulgeld
Das Schulgeld richtet sich meist nach den elterlichen Einkünften. In der Regel sechs Prozent des Bruttoeinkommens.Viele Schulen nehmen eine monatliche Pauschale, etwa 140 Euro im Monat.
(Autorin: Sylvia Wilke)




