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Wie Musik die kulturelle Teilhabe geflüchteter Kinder beeinflusst

Musik ist mehr als ein schöner Zeitvertreib: Sie mobilisiert das Gehirn und produziert Glückshormone, wird als therapeutisches Hilfsmittel eingesetzt, dämpft Aggressionen und fördert die geistige und soziale Entwicklung junger Menschen. Letztere stehen im Fokus des dreijährigen Verbundvorhabens "Musikalische Interventionen für nachhaltige Eingliederung und kulturelle Teilhabe bei Kindern und Heranwachsenden mit Fluchterfahrung" (MINUTE), das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Ende 2019 mit 250.000 Euro fördert. Das gemeinsame Projekt der Universitäten Frankfurt am Main und Oldenburg beleuchtet zum ersten Mal modellhaft die Potenziale musikalischer Interventionen wie Singen oder Musizieren für die kulturelle Integration. Zudem will die Studie Hinweise für die Entwicklung von spezifischen Bildungsangeboten liefern, die inhaltlich die kulturelle Integration geflüchteter Menschen aufgreifen.

BMBF-Verbundprojekt: Erste Datenerhebung im August an vier Oldenburger Grundschulen
Während sich die Frankfurter Wissenschaftler heranwachsenden Männern widmen, die sich noch in Flüchtlingsunterkünften befinden, beschäftigen sich die Oldenburger Forscher um den Musikwissenschaftler Prof. Dr. Gunter Kreutz mit Grundschulkindern aus geflüchteten Familien. Sie lernen gemeinsam mit einheimischen und bereits sesshaft gewordenen Kindern im Klassenverband. Insgesamt nehmen ab Beginn des kommenden Schuljahres 200 Drittklässler aus vier Oldenburger Grundschulen (Drielake, Haarentor, Kreyenbrück und Staakenweg) an der Studie teil.

Kulturelle Praktiken und ihre Auswirkung auf Lernprozesse
"Unumstritten ist, dass kulturelle Techniken notwendig sind, um Menschen mit Fluchterfahrungen in unsere Gesellschaft zu integrieren", so Kreutz, "egal, ob sie in Familien hier ansässig werden oder auf sich allein gestellt unterwegs sind." Die Frage laute vielmehr, wie diese kulturellen Praktiken sich auswirken und inwiefern sie zentrale individuelle Lernprozesse unterstützen können. "Allem voran geht es dabei um den Spracherwerb, aber auch um die Akkulturation generell, also das Hineinwachsen eines Kindes in seine Umwelt", erklärt der Professor für Systematische Musikwissenschaft und Leiter der Oldenburger Teilstudie.

Musik und Sprachfähigkeit, Intelligenz und kognitive Fähigkeiten
Antworten wollen die Oldenburger Forscher finden, indem sie Kohorten von Grundschülern in ihrem musikalischen Lernen begleiten. So findet im August in den vier beteiligten Grundschulen eine Art Bestandsaufnahme statt: Die Wissenschaftler messen bei den Kindern verschiedene Parameter, beispielsweise die Sprachfähigkeit, die Intelligenz, aber auch kognitive Fähigkeiten wie das Arbeitsgedächtnis. Im Anschluss werden die Klassen in drei Gruppen eingeteilt: Während bei den Klassen der Kontrollgruppe der Unterricht unverändert bleibt, erhalten etwa ein Drittel der Kinder während des Schuljahres zwei Stunden pro Woche zusätzlichen Musikunterricht. Die dritte Gruppe löst in derselben Zeit in der sogenannten "Knobel-AG" Mathematikaufgaben. Im August 2018 werden die Forscher die Mädchen und Jungen erneut testen und schauen, was sich in den Gruppen getan hat – welchen Einfluss Musik auf die kulturelle Teilhabe der Geflüchteten hat.

Sechs Monate später soll ein weiterer Test-Termin Aufschluss über die Nachhaltigkeit der Angebote geben: Bleiben die Effekte erhalten oder verschwinden sie wieder? "Wir knüpfen mit unserem Verbundvorhaben an frühere Studien an und hoffen, damit auch vermeintlichen Randfächern wie der Musik in den allgemeinbildenden Schulen zu einer größeren Wahrnehmung ihrer Potenziale zu verhelfen", betont Kreutz.

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